Gamerschlagshof - eine vielseitige Geschichte in der Region Niederrhein

Der Xantener Gamerschlagshof ist ein über 700 Jahre alter ehemaliger Gutshof, der jetzt über knapp 30 ha Weiden und Wiesen, 10 ha Wald und 1 ha Teiche verfügt. Er gehört zum Xantener Ortsteil Birten. 

Zur Geschichte 

Der Gamerschlagshof wurde in einem Register der Herzöge von Kleve bereits 1319 erstmals urkundlich erwähnt und gehört zu den größten und bedeutendsten Hofanlagen des nördlichen Niederrheins. Er sicherte in einem ehemaligen Sumpfgebiet zwischen Xanten und Alpen, das Anfang des 13. Jahrhunderts von holländischen Arbeitern trocken gelegt wurde, die wichtige Wegstrecke von Kleve nach Rheinberg. Der Name leitet sich von den niederdeutschen Wörtern „Gamer“ und „schlach“ ab, was  man mit Bachbiegung und Schlagbaum übersetzen kann. Wahrscheinlich war das Hof-Areal, das etwas erhöht liegt, bereits in römischer  und fränkischer Zeit besiedelt.​

Bereits zu Beginn des 14. Jahrhunderts ist hier die gleichnamige Familie „Gamerslach“ bzw. Gamerschlag nachweisbar, deren Namen mit dem des Hofes identisch ist. Sie war unter anderem für die Bewirtschaftung des Hofes sowie den Betrieb und Pflege des Schlagbaumes der klevischen Landwehr zuständig. Diese bestand aus Hecken, Wall und Graben und sicherte seit dem Mittelalter das strategisch wichtige Grenzgebiet zwischen dem Herzogtum Kleve und dem Erzbistum Köln. Reste der Landwehr sind zwischen Hees und Gamerschlagshof noch heute erhalten. Die Eigentümer des Hofes waren bis in das 19. Jahrhundert die jeweiligen Landesherren, wie z.B. der Herzog von Kleve (bis 1609), der Kurfürst von Brandenburg (bis 1701) sowie der preußische König. Familie Gamerschlag verließ wohl im frühen 19. Jahrhundert den Hof. Schon im Mittelalter erwarb man Grundbesitzt, vor allem im benachbarten Dorf (Alpen)-Veen.​

Zum umfangreichen Besitz von Gamerschlagshof  zählte seit den Anfängen auch der Hökershof, der bereits 1296 erwähnt wird und zum Stift Xanten gehörte. Die spätere Katstelle ist heute nur noch als Erdhügel erhalten.

Das heute unter Denkmalschutz stehende Haupthaus (ehemaliges Gutshaus) wurde im Kern im 14. Jahrhundert erbaut, um 1850 erweitert und im neoklassizistischen Stil umgebaut. In den 1880er Jahren war der weltbekannte Komponist Engelbert Humperdinck mehrfach auf dem Hof und im Grenzdyck zu Gast. In seinen Tagebüchern finden sich Hinweise darauf, dass er hier nicht nur traditionelle Volkslieder hörte, die er später in „Hänsel und Gretel“ verarbeitete, sondern auch die Inspiration für sein „Notturno“ für Violine und Klavier fand.​

Nach einem Brand wurde in den 1920er Jahren eine große und architekturgeschichtlich bedeutende Scheune errichtet, die bis heute genutzt wird. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs befand sich auf Gamerschlagshof ein Lazarett des Roten Kreuzes mit Verbandsplatz. Wohl aus diesem Grund wurde das Hofensemble von den Alliierten beim den Kämpfen um Xanten infolge des Rheinübergangs nicht zerstört. Ein benachbarter Soldatenfriedhof verlegte man in den 1960er Jahren nach Kamp-Lintfort.​

Der Gamerschlagshof wird seit 2002, nachdem er einige Jahre unbewohnt war und von Familie Gerdes-Steinhoff erworben und umfangreich restauriert wurde, extensiv bewirtschaftet. Er liegt in einer der schönsten Gegenden Xantens, dem "Grenzdyck" und mitten im Naturschutzgebiet. 

Arche- und Lernbauernhof 

Seit 2013 sind wir der erste Archehof des Kreises Wesel. Wir haben einen gemischten Bestand an Tieren, u.a. Warzenenten, Laufenten, Emdener Gänse, Perlhühner, Niederrheiner und Rheinländer Hühner, Bronzeputen, Soay-Schafe, Walliser Schwarzhalsziegen, Bunte Bentheimer Schweine, eine Friesenstute sowie Scottish Highland Cattle, die zum Teil zu den vom Aussterben bedrohten Haustierrassen gehören.

Der Xantener Gamerschlagshof ist ein über 700 Jahre alter ehemaliger Gutshof, der jetzt über knapp 30 ha Weiden und Wiesen, 10 ha Wald und 1 ha Teiche verfügt.​

Er wird seit 2002, nachdem er einige Jahre unbewohnt war, extensiv bewirtschaftet. Er liegt in einer der schönsten Gegenden Xantens, dem "Grenzdyck" und mitten im Naturschutzgebiet.​

Hier machen seit 2011 Studenten aus aller Welt ihre Praktika oder Praxissemester, aber auch gestresste Menschen kommen zu uns, um eine Auszeit zu nehmen.

Wir bieten zudem auch ein eigenes Kulturprogramm an und werden neuerdings von einem eigenen Förderverein unterstützt.

​Zudem geben wir seit Oktober 2017 eine eigene Schriftenreihe zur Geschichte und zu weiteren Themen des Archehofes im Anno-Verlag heraus.

​Unsere Führungen und didaktischen Programme erfreuen sich wachsender Beliebtheit. 

Viele Menschen wissen, dass Wildpflanzen und Wildtiere aussterben, aber nur wenigen ist bekannt, dass Ähnliches auch gleich nebenan in der Landwirtschaft mit Kulturpflanzen und Haustierrassen passiert. Wenige Hochleistungssorten und -rassen produzieren heute die Nahrungsmittel der Menschheit. 

Laut Welternährungsorganisation ist in den letzten sechs Jahren im Durchschnitt eine Rasse pro Monat ausgestorben, d.h. eine an Klima und Standort angepasste Rasse, die ein genetisches Erbe und Kulturgut darstellt.

Allein in Deutschland stehen mehr als 100 Nutztierrassen auf der Roten Liste der GEH. Engagement und Ideen sind gefragt, die Tiere so in die Nutzung einzubinden, dass eine langfristige Erhaltung gewährleistet ist.

Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) engagiert sich seit 1981 für die Lebenderhaltung der Nutztierrassen. Das Arche-Hof-Projekt wurde im Jahr 1995 von der GEH ins Leben gerufen und umfasst bundesweit im Jahr 2010 bereits über 80 Höfe.​

Die Arche-Höfe verstehen sich als Einrichtung mit dem Ziel, vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen aktiv zu erhalten und weiter zu züchten. Sie integrieren diese Rassen bewusst in ihr Betriebskonzept und stellen landwirtschaftliche Produkte her. Den interessierten Besucherinnen und Besuchern wird mittels anschaulicher Hofführungen ein umfassender Einblick in die Geschichte der Rassen, ihrer gegenwärtigen Situation und ihrer Zukunftsperspektiven eröffnet.​

Der Begriff „Arche- Hof“ ist beim Deutschen Patentamt unter der Registrierungsnummer 397 46 928 als Marke eingetragen und das Emblem rechtlich geschützt worden. Demnach können nur durch die GEH anerkannte Höfe den Titel Arche-Hof führen und das Logo für ihre eigene Werbung verwenden, da sich die Höfe gegenüber der GEH vertraglich auf die Einhaltung bestimmter Anerkennungskriterien verpflichtet. Wir bitten, uns Zuwiderhandlungen durch dritte Personen mitzuteilen. 

Jeder Arche-Hof hat seinen eigenen Charakter, er lebt durch die Menschen, die sich der Erhaltungsarbeit widmen. Die Vielfalt der Lebensformen und Gedanken ist groß, und es ist immer wieder spannend zu erfahren, wie der Mensch zum Tier, oder das Tier zum Menschen kam, wie diese auf dem Abstellgleis gelandeten Nutztiere zum neuen Vorzeigemodell werden können.

Dass wir daran mitarbeiten können, darauf sind wir stolz.

2021 - 2022 © Urheberrecht. Alle Rechte vorbehalten.